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How To: Wie repariert man einen Spiegel?

Spiegel sind unsere Begleiter. Morgens begrüßen sie im Bad unsere müden Gesichter und am Abend verabschieden sie uns mit einem detailgetreuen Spiegelbild unserer frisch geputzten Zähne in das Land der Träume. Doch gerade weil sie uns so lange und treu begleiten, sind sie anfällig für Beschädigungen. Flecken, Kratzer, blinde Stellen und Co. kommen aber nicht immer einem Todesurteil gleich. Hier finden Sie praktische Anleitungen für die Reparatur von Spiegel-Beschädigungen sowie wichtige Regeln im Umgang mit den reflektierenden Gläsern.

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Solche Bilder möchte wohl niemand bei sich zu Hause sehen.

Wie entsteht ein Spiegel?

Zur Herstellung eines Spiegels wird eine Glasplatte mit einer dünnen Schicht Silber – bei billigen Anfertigungen selten auch Aluminium – belegt. Da sich Silber bei Luftkontakt dunkel färbt, wird anschließend eine Lackschicht aufgetragen, die es schützt. Diese Herstellungsart wird seit über 100 Jahren angewendet (Quelle). Weitere Infos zu Spiegeln unter: „Spiegel-Fakten, die Sie garantiert noch nicht kennen“.

Kratzer

Schmutzpartikel, Sandkörner, Steine, Metalle, Diamanten: Kommen die falschen Materialien auf die falsche Art und Weise, z.B. mit viel Druck, mit Spiegeln in Kontakt, kann es zu Kratzern an der Glasoberfläche kommen. Das Wundermittel gegen Kratzer am Spiegel: Keine Kratzer entstehen lassen! So besserwisserisch das auch klingen mag, vorbeugende Maßnahmen sind bei weitem der effektivste und günstigste Weg. Trotzdem kann es natürlich durch ein Missgeschick oder andere Umstände zu Beschädigungen kommen.

Auch kleinste Kratzer sind aufwendig zu reparieren, weshalb sich die Entfernung privat selten lohnt. Hier ist es bei unseren heutigen technischen Möglichkeiten meist günstiger, einen neuen Spiegel zuzuschneiden. Bei größeren Spiegelelementen wie etwa Schaufenstern, Vitrinen, Glaswänden oder hochwertigen Glastischen ist die Reparatur durch einen Fachmann oder eine fachkundige Privatperson jedoch durchaus rentabel. Auch bei Spiegeln, die zuvor mehrere Bearbeitungsschritte durchlaufen haben, lohnt sich die Reparatur. Dazu gehören vor allem CNC-Fräsungen, aufwendige Sandstrahlungen, Laserbearbeitungen oder Spiegel mit bereits integrierten Elementen wie LED-Beleuchtung. Auch wenn keine Zeit für eine Neuanfertigung vorhanden ist, kann sich eine Reparatur auszahlen. Hierfür bieten einige Glaser einen Vor-Ort-Service an.

So geht die Reparatur:

  • Auf Spiegelfläche und Schleifmaschine wird Wasser aufgetragen
  • Ceriumoxid (auch Glaspolitur genannt) wird darüber verstreut.
  • Die Kratzer werden im ersten Schritt mit grobem Ceriumoxid, und anschließend mit feineren Ceriumoxid-Partikeln aus der Spiegelfläche herausgeschliffen.

Das folgende Video zeigt das Auspolieren von Kratzern durch einen Fachmann:

Dieses Vorgehen hilft auch bei starken Verunreinigungen am Glas. Die Methode sollte jedoch so oft wie nötig und so selten wie möglich angewendet werden, da das Schleifen zu Vertiefungen im Glas und damit zu Verzerrungen der Spiegelreflexion führen kann.

Bruch oder Sprung

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Ein solcher Spiegelbruch ist nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich.

Tiefe Kratzer, Risse, Sprünge und Brüche im Spiegel lassen sich nicht reparieren. Der Grund: Es existiert derzeit keine Technik, die einen Bruch im Glas so reparieren kann, dass es nicht zu Verzerrungen kommt. Jeder Reparaturversuch bleibt also sichtbar und bricht die Reflexion.

Bei Spiegelsprüngen etc. kann nur versucht werden, weitere Schäden und etwaige Verletzungen der Benutzer zu verhindern. Vor allem bei so genannten Ausmuschelungen (siehe folgendes Bild) ist es gefährlich, den Bruch unbehandelt zu lassen, da die Glaspartikel extrem scharf sind.

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Besonders die zersplitterten Ausmuschelungen bergen eine hohe Verletzungsgefahr.

Den Spiegel vor Brüchen und Andere vor Verletzungen schützen:

Um das gesprungene Glas vor weiteren Rissen zu schützen, gibt es einige präventive und nachträgliche Maßnahmen. Dafür sollte immer mit entsprechenden Schnittschutz-Handschuhen gearbeitet werden.

  • Splitterschutzfolie

Diese Folie wird meist prophylaktisch bei großen Spiegeln, z.B. bei Spiegelwänden in einer Tanzschule, auf der Rückseite angebracht, um Verletzungen vorzubeugen. Auch Deckenspiegel müssen eine solche Vorrichtung besitzen, da die Verwendung sonst viel zu gefährlich wäre. Das Prinzip der Splitterschutzfolie: Eine reißfeste Folie wird zwischen dem Spiegel und einer zusätzlichen Glasplatte angebracht und verhindert ein Zerbröseln oder Zersplittern des Spiegelglases. Anstatt einer zweiten Glasplatte ist auch eine Holzplatte für Deckenmontagen denkbar, solange der Kleber flächig aufgetragen wird. Hier gleicht der Effekt dem einer Verbundplatte.

Privat kann hierfür auch eine normale Folie mit Kleber verwendet werden, insofern der Kleber lösungsmittelfrei ist, da er sonst den Lack auf der Spiegelrückseite auflöst.

  • Silikon

Badezimmersilikon kann den Spiegel vor weiteren Rissen und uns vor Verletzungen schützen. Dafür die Silikone an der gebrochenen Stelle auftragen und trocknen lassen. Da Badezimmersilikone jedoch meist essigvernetzend sind (mit Ausnahme neutral vernetzender Silikone, z.B. auf Alkoxy Basis), ist hier mit schwarzen Stellen zu rechnen. Als retrospektive und vorübergehende Schutzmaßnahme stört das wohl kaum.

  • Glasschutz

Auf fest montierte Spiegel kann bei Brüchen eine Glasscheibe angebracht werden. Diese wird mit Kleber oder Spiegelband auf die defekte Stelle geklebt und stabilisiert die Konstruktion, bis der Spiegel ausgetauscht werden kann.

Vorsicht: Alle retrospektiven Maßnahmen sollten nur als vorübergehender Schutz dienen. Langfristig müssen gesprungene Spiegel – wenn möglich von einem Fachmann – entfernt oder ausgewechselt werden, da auch nach dem Kleben noch Verletzungsgefahr besteht.

Flecken

Im Alltag kommt der Spiegel ungewollt mit Substanzen aller Art in Kontakt: Ob Zahnpasta, Creme, Haarprodukte, Kalk, Fettflecken durch Berührung, Farbreste der Renovierung oder sogar Filzstift-Kritzeleien der Kleinen. Für alles, was sich nicht mit Wasser reinigen lässt, gibt es jedoch meist eine ganz einfache Lösung.

Hartnäckige Flecken, z.B. Farbflecken

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Wird der Spiegel beim Malen nicht entfernt, sind solche Bilder leider keine Seltenheit.

Farbflecken und andere hartnäckige Verunreinigungen können mit verdünnten Lösungsmitteln wie Alkohol (Spiritus) oder Aceton entfernt werden. Auch Verunreinigungen durch wasserfeste Filzstifte können so beseitigt werden. Wer Kinder hat, versteht wie wichtig diese Information ist (siehe Bild unten).

Wie bei allen Beschädigungen oder Verunreinigungen von Spiegeln gilt: auf keinen Fall Essig benutzen, da dieser die Silber- und Lackschicht des Spiegels angreift! Alle Lösungsmittel müssen zudem nach der Reinigung sofort von Spiegeloberfläche und Kanten entfernt werden, da es sonst zur Randkorrosion kommen kann.

So geht die Reparatur:

  • Die Alkohol- oder Aceton-Verdünnung auf die entsprechende Stelle auftragen.
  • Mit einem Lappen in kreisenden Bewegungen drüberfahren, bis der Fleck nicht mehr sichtbar ist.
  • Trocken wischen.
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Wenn der Spieltrieb der Kleinen an den Nerven der Erwachsenen zehrt…

Kalk und Wasserrückstände

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Wasser- oder Kalkrückstände sind wohl die häufigsten Spiegel-Verunreinigungen.

Für alle anderen Flecken, die sich nicht durch trockenes Abwischen entfernen lassen, gilt: Wenn möglich trocken mit dreifacher oder vierfacher Stahlwolle (N#000 oder N#0000) reinigen.

So geht die Reparatur:

  • Den Spiegel mit einem Tuch trocken abwischen, um sicherzustellen, dass sich keine Schmutzpartikel auf der Oberfläche befinden, die beim Säubern Kratzer verursachen könnten.
  • Die feine Stahlwolle auf der trockenen Spiegelfläche bei leichtem Druck kreisend bewegen, bis die Flecken verschwunden sind.
  • Mit einem trockenen Tuch etwaige Stahlfäden vom Spiegel entfernen, da diese zu rosten beginnen können.

Hier ein How-To-Video zur Entfernung von Wasserflecken:

Blinde Spiegel

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Man könnte meinen, es sei ein Kunstwerk!

Blinde Flecken können „neblig“, schwarz, braun, dunkelgrau oder metallisch aussehen, haben aber immer eine gemeinsame Ursache: Die Silberschicht des Spiegels ist oxidiert. Das Silber ist also in einen neuen chemischen Zustand übergegangen. Dabei handelt es sich um eine ganz natürliche Alterserscheinung eines Spiegels: die Lackschicht bekommt über die Jahre kleine Haarrisse, die das Silber offenlegen. In Kombination mit dem Schwefel aus der Luft wird Silber schließlich zu Silbersulfid, einem wasserunlöslichen Salz (Quelle).

Da sich das Silber zwischen dem Spiegelglas und der Lackbeschichtung befindet, können blinde Spiegel in der Regel nicht repariert werden, sondern müssen ausgetauscht oder als individuelle Kunstwerke akzeptiert werden. In Fällen von Spiegeln mit hohem historischen Wert und ausgefallenen Verzierungen, werden Silber- und Lackbeschichtung durchaus hin und wieder erneuert, um die Geschichte des Einzelstückes weiterleben zu lassen. Das bleibt aber den Restaurateuren vorbehalten!

Rost

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Auch dieser Rost sieht künstlerisch aus, steht aber der klaren Sicht im Weg.

In seltenen Fällen kann sich vom Herstellungsprozess, der industriellen Bearbeitung oder der Säuberung von Spiegeln Metallabrieb auf der Spiegeloberfläche befinden. In Verbindung mit Feuchtigkeit kann dieser rosten und sich währenddessen fest mit der Oberfläche verbinden. Diese Verunreinigung ist im Unterschied zu blinden Flecken eine oberflächliche Erscheinung, die sich klar ertasten lässt. Rost lässt sich dementsprechend auch entfernen. Hierzu dient das oben beschriebene Vorgehen mit Stahlwolle.

Witterung

Generell gilt: Spiegel sind nur für den Innenbereich geeignet. Es kann aber passieren, dass auch Spiegel im Innenraum in Kontakt mit Außenverhältnissen kommen, etwa beim Umzug oder durch kaputte Fenster etc. Auf diesem Glas liegt dann so genannter Wetterstein, ein Phänomen, das man aus der Restauration von alten Kirchenfenstern kennt. Dieser kann jedoch mit einem trockenen Lappen und Ceriumoxid in kreisenden Bewegungen entfernt werden.

Das Spiegel Einmaleins

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Schon mit solchen kleinen Aufmerksamkeiten kann das Leben des Spiegels verlängert werden.

Wie Sie Ihre Spiegel schützen

  • Vor Hitze (ab etwa 70 Grad) schützen: extreme Temperaturen schaden der Silberschicht.
  • Vor Nässe schützen: Spiegel mögen es am liebsten trocken.
  • Lüften: vor allem im Badezimmer, wo sich Hitze und Feuchtigkeit stauen.
  • Nie mit Säuren arbeiten: Sie greifen Metalle und damit die Silberschicht an.
  • Um grobe Verunreinigungen zu putzen, sollten nur Wasser und eine Alkohol- bzw. Aceton-Verdünnung mit einem weichen Lappen oder Microfasertuch verwendet werden. Anschließend die Kanten gut trocken reiben, da es sonst zur Randkorrosion kommen kann.
  • Kanten beim Transport und Montieren immer gut schützen: Zum Beispiel mit Kantenschutzelementen, wie sie in obigem Bild zu sehen sind.
  • Wenn möglich trocken reinigen, um Wasserrückstände ganz zu vermeiden.
  • Beim Putzen des Bades den Spiegel vor Wasser und Chemie schützen und im Anschluss gut durchlüften.
  • Bei Renovierungsarbeiten sollten Sie die Spiegel im Badezimmer abhängen.
  • Vorsicht vor Glasreinigern: Wie der Name schon verrät, sind diese für Glas, jedoch nicht für Spiegel geeignet. Die darin enthaltenen pflegenden Öle können der Silber- und Lackschicht schaden.
  • Vorsicht vor Fliesenreinigern, da diese Säuren enthalten. Sie sollten niemals für die Spiegelreinigung und wenn möglich nicht in Spiegelnähe eingesetzt werden, da die Säure über die Luft zur Silberschicht gelangt.
  • Vorsicht vor Toilettenreinigern: Aromareiniger, WC-Reiniger und Toilettensteine enthalten oft Schwefelsäure (H2SO4). Über die Luft gelangt der Schwefeldampf an die Silberschicht, wo das Silber oxidiert und in Silbersulfid umgewandelt wird. Die Folge? Der Spiegel färbt sich schwarz. Vor allem in selten genutzten, kleinen Badezimmern, wie etwa Gäste-WCs, stauen sich Luft, Feuchtigkeit und Schwefeldampf und es kommt durch Oxidation zu irreparablen Schäden am Spiegel und anderen Metallen. Rost im Badezimmer ist oft ein Anzeichen für diesen Schwefel-Effekt. In Extremfällen greift der Schwefel den Spiegellack an, wodurch der Weichmacher, der im Lack enthalten ist, aus der Lackfläche tritt und sich wie ein Schmierfilm darüber legt. Also Finger weg von zu viel Chemie!

Die Spiegelschutz-Grundregel: Trocken, luftig, und keine Chemie!

Weitere Details zu Reinigung und Schutz von Spiegeln finden Sie in unserem Artikel „So putzen Sie Spiegel richtig“ (interner Link).

Antikspiegel: „Kaputte“ Spiegel als Deko

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Blinde Flecken als stylischer Antik-Charme.

Heutzutage werden „kaputte“ Spiegel immer öfter als Kunstelemente in der Einrichtungsbranche verkauft. Dabei kommen die Spiegel schon teilweise blind aus der Produktion, denn die Flecken sollen Zimmern einen altmodischen Charme verleihen. Weitere kunstvolle Verwendungen von Spiegeln haben wir uns in unserem Beitrag „Spiegel in der Architektur und Kunst“ für Sie zusammengefasst.

Bildrechte:1) iStockphoto.com
Edding-Flecken: somethingway; Rost am Spiegel: akata
2) Oxidierte Silberschicht vor rotem Hintergrund und Farbfleck auf dem Spiegel: Marie-Christin Böttger.
3) Sonstige Bilder und Videos: Andreas Studzinski

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